Ebenen der Diskriminierung

Diskriminierung erfolgt vor allem auf drei Ebenen: der individuellen, der institutionellen und der gesellschaftlichen.

Diese Ebenen sind nicht immer eindeutig voneinander zu trennen. Antidiskriminierungsmaßnahmen in der Schule sollten daher immer alle drei Ebenen im Blick behalten.

Auf der individuellen Ebene
bezieht sich Diskriminierung auf ein Verhalten zwischen Individuen, das einzelne Personen abwertet oder ausgrenzt. Dabei geht es im Schulkontext oft um wiederkehrende verletzende Erfahrungen zwischen Lehrkräften auf der einen und Schüler_innen auf der anderen Seite oder zwischen Schüler_innen.

Beispiel für eine Diskriminierung auf individueller Ebene: Ein Schüler, dessen Eltern homosexuell sind, wird vom Klassenlehrer immer wieder aufgefordert, zu erzählen, wie sich seine Familie von „normalen“ Familien unterscheidet.

Auf der institutionellen Ebene
ist für die Diskriminierung das Handeln einer Organisation verantwortlich: Die Personen handeln nicht aus eigenen Motiven diskriminierend, sondern die Regeln, Gesetze, Praktiken und Abläufe der Institution sind für die Benachteiligung verantwortlich, dabei handelt es sich um institutionelle Diskriminierung (Gomolla und Radtke 2007:19). Im Zusammenhang mit der institutionellen Ebene wird häufig auch von struktureller Diskriminierung gesprochen. Sie entsteht dadurch, dass es gesellschaftliche Strukturen gibt, die z.B. Ressourcen ungleich verteilen, wodurch bestimmte Gruppen benachteiligt werden.

Beispiel für eine Diskriminierung auf institutioneller Ebene: Sonderschulüberweisungen für Kinder mit Migrationshintergrund werden mit Sprachdefiziten und kulturellen Differenzen gerechtfertigt ohne eine Überprüfung der muttersprachlichen Fähigkeiten, um das Sprachdefizit als Ursache für Lernschwierigkeiten auszuschließen.

Strukturelle Diskriminierung
liegt zum Beispiel dann vor, wenn gesellschaftliche Strukturen dazu führen, dass Bildungseinrichtungen in Stadtteilen mit einem hohen Anteil von Familien mit Migrationshintergrund oder sozial schwächeren Familien eine vergleichsweise geringere Qualität aufweisen als in anderen Stadtteilen und dadurch Schüler_innen mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwächeren Familien benachteiligt werden.

Die gesellschaftliche Ebene
betrifft Vorstellungen, Bezeichnungen und Bilder. Häufig spielen dabei Stereotypisierungen eine Rolle. Stereotype Ideen und Bilder werden von Medien transportiert, finden sich aber auch in alltäglichen Gesprächen, in Schulbüchern oder Lehr- und Lernmaterialien wieder.

Beispiel für eine Diskriminierung auf gesellschaftlicher Ebene: In Schulmaterialien wird ein klischeehaftes Bild vom afrikanischen Kontinent vermittelt. Komplexe Lebensrealitäten in unterschiedlichen afrikanischen Ländern werden gar nicht oder nur vor negativem Hintergrund (Flüchtlingsströme, Kriege etc.) dargestellt. Auch bei vermeintlich positiven Darstellungen von afrikanischen Menschen als tanz- und musikbegabt („Rhythmus im Blut“) handelt es sich um stereotype Darstellungen, die diskriminierend sind.

Quelle

Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Hrsg.): Diskriminierung an Schulen erkennen und vermeiden. Praxisleitfaden zum Abbau von Diskriminierung in der Schule.

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